Vier Tage Berlin zwischen Bundestag, Geschichte und Bahnchaos
Wer eine Studienfahrt nach Berlin plant, rechnet mit vielem: historischen Orten, spannenden Führungen und gemeinsamen Erlebnissen. Mit einer Anreise von fast 15 Stunden allerdings eher nicht.
Eigentlich begann unsere Fahrt ganz planmäßig. Am Freitag, den 10. Juli, bestieg der Leistungskurs Geschichte der Q1 um 7.09 Uhr den Regionalzug nach Köln. Von dort sollte es mit dem ICE weiter nach Berlin gehen. Die geplante Ankunft: 14.12 Uhr.
Die Realität sah leider anders aus.
135 Minuten Verspätung in Köln, geänderte Wagenreihung, verschwundene Sitzplatzreservierungen und schließlich die Aufforderung, den Zug in Essen zu verlassen. Also hieß es erst einmal: warten, spielen, essen, trinken – und den Humor nicht verlieren.
Erst gegen 22 Uhr kamen wir schließlich in Berlin an. Doch von diesem Moment an begann eine wirklich gelungene Studienfahrt.
Der Samstag stand ganz im Zeichen unserer Demokratie. Im Deutschen Bundestag erfuhren wir viel über die Arbeit des Parlaments und entdeckten im Reichstagsgebäude sogar die erhaltenen Graffiti sowjetischer Soldaten aus dem Mai 1945. Natürlich durfte anschließend auch der Besuch der Reichstagskuppel nicht fehlen.
Danach führte unser Rundgang durch das historische Zentrum Berlins: vorbei am Brandenburger Tor, über den Pariser Platz und Unter den Linden bis zur Humboldt-Universität. Am Mahnmal zur Bücherverbrennung von 1933 erinnerte Frau Zingler an die nationalsozialistische Verfolgung von Wissenschaft und Kultur. Am rekonstruierten Berliner Schloss schlugen wir schließlich den Bogen zum Ersten Weltkrieg und zur Geschichte des Kaiserreichs.
Anschließend durfte jede und jeder Berlin auf eigene Faust entdecken. Einige besuchten das Deutsche Historische Museum oder die Museumsinsel, andere probierten den berühmten Berliner Döner oder erkundeten einfach die Stadt. Am Abend trafen wir uns wieder im Hostel – jede und jeder mit neuen Eindrücken und eigenen Geschichten.
Am Sonntagmorgen zog es viele zunächst auf den Flohmarkt im Mauerpark. Wegen der sommerlichen Hitze trafen wir uns erst am späten Nachmittag wieder am Holocaust-Mahnmal. Besonders die Ausstellung über die ermordeten europäischen Juden bewegte viele von uns. Familienfotos, persönliche Schicksale und erschütternde Abschiedsbriefe machten deutlich, dass hinter den unvorstellbaren Opferzahlen einzelne Menschen und Familien standen. Für manche blieb dieser Besuch nicht ohne Tränen.
Am Montag beschäftigten wir uns mit einem weiteren Kapitel deutscher Geschichte. Nach einem Spaziergang entlang der East Side Gallery besuchten wir die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, das ehemalige Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR. Die eindrucksvolle Führung zeigte, mit welchen Methoden Menschen eingeschüchtert und psychisch unter Druck gesetzt wurden.
Natürlich kam auch das gemeinsame Kursleben nicht zu kurz. Die Nächte waren – je nach Blickwinkel – eindeutig zu kurz oder vielleicht auch etwas zu lang. Gerade diese gemeinsamen Stunden machten die Fahrt für viele unvergesslich.
Am Dienstag hieß es schließlich Abschied nehmen – und leider wartete die Deutsche Bahn noch einmal mit einigen Überraschungen auf uns. Doch diesmal gab es ein Happy End: In Hagen wurden wir von hilfsbereiten Kolleginnen und Kollegen mit vier Neunsitzern abgeholt und sicher nach Hause gebracht.
So bleibt von dieser Berlinfahrt nicht das Bahnchaos in Erinnerung, sondern vier intensive Tage voller Geschichte, vieler gemeinsamer Erlebnisse und einer Kursgemeinschaft, die sich auch von langen Verspätungen nicht die gute Laune verderben ließ.
Als begleitende Lehrkräfte bleibt uns vor allem die Erinnerung an einen neugierigen, interessierten und unkomplizierten Leistungskurs, mit dem diese Studienfahrt trotz aller Hindernisse zu einem besonderen Erlebnis geworden ist.
Herzlichen Dank an das Büro des Bundestagsabgeordneten Benedikt Büderbender!





