… würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen

[2021-11-17 JÜNG] Bornierte Impfgegner, überfüllte Hospitäler, verzweifelte Triage. Tumb dreiste Bernds, dümmlich populistische Sahras, entscheidungsängstliche Entscheider. Umweltdesaster, Flüchtlingselend und (nicht nur) fehlendes Klopapier. Momentan könnte fast man glauben, die Welt bewege sich am Abgrund. Stimmt aber nicht!
Zumindest nicht momentan, sondern vermutlich schon immer. Wie sonst wäre die dem guten Martin Luther (wohl fälschlich) zugeschriebene Sentenz vom Apfelbäumchen zu verstehen, das er unmittelbar vor dem Weltuntergang noch pflanzen wolle? Das Prinzip Hoffnung in verwirrter und verwirrender Ära. Optimismus trotz drohender Ungemach.
Solche Gedanken zum „Apfelbäumchenprinzip“ kommen Pfarrer Günther Albrecht und mir im Gespräch während einer der pandemiebedingt fünf (!) klassengetrennten Einschulungsfeiern im letzten August. Ja, er schenke bei jeder Taufe den glücklichen Eltern ein kleines Apfelbäumchen, das sie als Erinnerung an diesen Tag einpflanzen und dann parallel mit ihrem Kind aufwachsen sehen könnten. Gute heimische Sorte. Nicht so hoch wachsend. Und sehr symbolträchtig.
Genau! Als (wenn auch nur katholischer) Verfechter des Apfelbäumchen-Prinzips finde ich das einfach nur gut und erzähle augenblicklich meinen KollegInnen aus dem neuen 5. Jahrgang davon. Auch die sind begeistert, ab diesem Jahr für jeden neu eingeschulten 5. Jahrgang einen eigenen Apfelbaum mit den SchülerInnen gemeinsam zu pflanzen, zu pflegen und in einigen Jahren auch abzuernten. Als Symbol der eigenen Schulzeit – für die Anfänge als (stets?) zarte 5er, das Erstarken in der Pubertät, die Reife (ja?) zum Ende der Schullaufbahn und natürlich als Zeichen des Optimismus für die eigene Zukunft und die gemeinsame künftige Welt!
Unser Schulverwaltungsassistent Thomas Dilling verhandelt dafür hart und zäh mit diversen Zuständigen in der Stadt Siegen: mindestens drei Ämter sind für die behördliche Genehmigung dieses standortfixen Lebewesens auf schulträgereigener Liegenschaft zuständig – Ordnung muss sein! Claudia Henke, Klassenleiterin und passionierte Pflanzenfachfrau, kümmert sich um Kauf, Einpflanzung und künftige Pflege des jüngsten Mitglieds der Schulgemeinschaft namens James Grieve, tatkräftig dabei unterstützt von den KlassensprecherInnen aller 5er-Klassen. Seit heute nun blickt James auf unser Wiesengelände und wächst für die 5er!
Ich indes habe die feste Hoffnung, dass in sechs Jahren zumindest einige der eingangs genannten Probleme dieser Welt vielleicht etwas abgeschwächt sein werden – sofern die Politiker sich bis dahin ihrer Verantwortung und auch Pflicht zu vielleicht unbequemen Entscheidungen wieder deutlicher bewusst geworden sind.