Das war einer der eindrucksvollen Sätze aus dem Zeitzeugenbericht von Tomy Shacham, der als jüdisches Kind die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und schließlich den Holocaust erleben musste. Seinen aufgezeichneten Zeitzeugenbericht durften die EF und verschiedene Kurse der Q1 und Q2 sowie einige Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 10 im Rahmen des „Gedenkens im Wohnzimmer“ anlässlich des Holocaust-Erinnerungstages verfolgen. Herr Shacham war selbst zugegen und stand für Fragen zur Verfügung, ebenso Vertreterinnen des Partnerkreises Emek Hefer.
Tomy wurde 1933 in der Slowakei geboren. Bereits in der zweiten Klasse wurde er erstmals mit der Bezeichnung „Jude“ als Schimpfwort konfrontiert. In der dritten Klasse verschärfte sich die Ausgrenzung deutlich durch die Markierung mit einer gelben Plakette, systematische Enteignungen und massive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Vor allem das Verbot, die Schule zu besuchen, traf ihn sehr.
Die Familie flüchtete vor der Verfolgung nach Ungarn, dem Heimatland der Mutter, fand dort aber nicht lange Schutz. Ende 1944 wurden er, seine Eltern und ein älterer Bruder unter furchtbaren Bedingungen deportiert und kamen schließlich nach Birkenau. Dort wurden die Männer und männlichen Jugendlichen von den Frauen und Kindern getrennt. Nur durch eine Falschaussage konnte Tomy bei seiner Mutter bleiben. Später wurde er jedoch auch von ihr getrennt. Im Kinderblock übernahm er als Ältester unter schwierigsten Umständen Verantwortung für die jüngeren Kinder; Mangelernährung und Krankheiten führten dort zu vielen Todesfällen. Tomy Shacham beschreibt, dass er unter diesen Bedingungen „nur funktioniert“ habe, um sein Überleben und das der anderen Kinder zu sichern. Der Anblick der Krematorien blieb Tomy erspart – die deutschen Soldaten hatten diese im Angesicht der vorrückenden Roten Armee bereits zerstört, um ihre Untaten zu vertuschen.
Im Januar 1945 wurde Tomy dann mit den Überlebenden auf einen Marsch mit ungewissem Ziel geschickt und erreichte schließlich das Lager Auschwitz, das am 27. Januar von sowjetischen Soldaten befreit wurde. Zu diesem Zeitpunkt erfuhr er vom Tod seines Vaters; das Schicksal seiner Mutter und eines Bruders war ungewiss.
Über Umwege kehrte Tomy letztendlich nach Budapest zu einem Onkel zurück. Wenig später konnte er an seinem Geburtstag das Wiedersehen mit seiner Mutter feiern. Nach seinem kurzen Aufenthalt in Budapest entschied er sich trotz seines jungen Alters zur Auswanderung nach Israel. In Jugendeinrichtungen übernahm er dort verschiedene Tätigkeiten, ehe er 44 Jahre lang als Sportlehrer arbeitete und in dieser Zeit auch verschiedene Sportler für die Olympischen Spiele trainierte.
In der anschließenden Diskussion wurden Tomy Shachams Antrieb und Botschaft deutlich: Ihm sind die Arbeit mit Jugendlichen, der Austausch und die Begegnung wichtig, um ein friedliches Miteinander zu fördern.
Wir danken Frau Friedrich vom Kreisjugendring, der Siegener Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Council Emek Hefer aus Israel sehr herzlich für die Organisation dieser Gedenkveranstaltung!